Berufliche Bildung und Ausbildung

Das österreichische Modell

Ein Lehrling arbeitet © Chevanon Photography, Pexels

Eine große Auswahl an verschiedenen Wegen zur Berufsbildung ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg und erklärt, warum Österreich unter den OECD-Ländern einen der höchsten Anteile von Schülern der Sekundarstufe II in der Berufsbildung aufweist. Bis zu 75 % einer Altersgruppe entscheiden sich nach Abschluss der Pflichtschule für eine Berufsausbildung.

Der Erwerb von Qualifikationen, die auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden, ist entscheidend, um wirtschaftliche Chancen und Arbeitsplätze für junge Menschen zu sichern. Eine qualitativ hochwertige Berufsbildung trägt dazu bei, dass die Arbeitsmärkte reibungslos funktionieren und Zukunftschancen genutzt werden können. Das österreichische Berufsbildungssystem profitiert in hohem Maße von einer gut abgestimmten Verknüpfung der Bildungsströme, einem entsprechenden rechtlichen Rahmen und organisatorischen Verflechtungen, die für abgestimmte Rahmenlehrpläne, ein System anerkannter Berufsabschlüsse und koordiniertes Lernen in Schule und Betrieb sorgen.

Berufsbildende Vollzeitschulen und Colleges bieten Kurse an, die auf genau definierte Berufsprofile auf Facharbeiter- und Technikerebene abgestimmt sind. Fach- und Berufsschulen sowie Hochschulen bieten einen Weg für einen geordneten Übergang von der öffentlichen Schule in die Arbeitswelt.

Duale Ausbildung und Lehrlingsausbildung

Das sichtbarste und am besten funktionierende Bindeglied zwischen der beruflichen Erstausbildung und dem Arbeitsmarkt ist das Lehrlingssystem. Die Lehrlingsausbildung kombiniert eine betriebliche Ausbildung (praktische Ausbildung am Arbeitsplatz, 80 % der Gesamtdauer) mit schulischen Lernphasen (20 %), in denen Schlüsselkompetenzen und Kenntnisse über die theoretischen Aspekte eines bestimmten Berufs oder Sektors erworben werden.

Der Lehrling wird in den Produktions- oder Dienstleistungsprozess einbezogen und erwirbt die erforderlichen Fähigkeiten unter realen Bedingungen. Die Lehrlingsausbildung steht allen jungen Menschen offen, die die neunjährige Schulpflicht erfüllt haben. Bis zu 36 % eines Altersjahrgangs absolvieren eine Lehre. Derzeit werden rund 100.000 Lehrlinge in etwa 29.000 Betrieben in mehr als 200 definierten Berufen ausgebildet. Um neuen Herausforderungen, wie z.B. den Anforderungen der "Vierten Industriellen Revolution", gerecht zu werden, werden die Berufsbilder regelmäßig aktualisiert und die Ausbildungsordnungen neu gestaltet.

Der Vorbereitung auf die sich verändernden technischen Standards und die damit verbundenen Anforderungen an die Zukunftsfähigkeit wird große Bedeutung beigemessen. Entscheidend ist, dass das Berufsbildungssystem Auszubildende und Studierende auf die digitalen Möglichkeiten vorbereitet und die fachliche sowie berufliche Ausbildung in Schlüsselbereichen wie Netzwerktechnik, Wirtschaftsinformatik, kaufmännische Datenverarbeitung und -analyse, Digital Business, Computertechnik oder Medieninformatik stärkt. Viele neue Berufsbilder, die in letzter Zeit entwickelt wurden, betreffen solche Bereiche.

Qualität, Beschäftigungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit, nicht nur Arbeitsplatzsicherheit, sind der Schlüssel zum Aufbau einer Basis, die es uns ermöglicht, von den Spitzenentwicklungen und den Chancen zu profitieren, die sich in der wissens- und qualifikationsbasierten globalen Wirtschaft des 21.

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften: praxisorientierte Berufsausbildung auf Tertiärstufe

Eine praxisorientierte Ausbildung eröffnet jungen Menschen ein breites Spektrum an Möglichkeiten - sowohl auf der Sekundarstufe II als auch auf der Tertiärstufe. Die 1994 aus der Taufe gehobenen österreichischen Fachhochschulen haben sich zu einem integralen Bestandteil des österreichischen Hochschulwesens entwickelt. Sie bieten eine praxisorientierte tertiäre Ausbildung auf Bachelor- und Master-Ebene an, wobei die erforderliche praktische Ausbildung ein verpflichtender Bestandteil der Bachelor-Curricula ist. Im Vergleich zu den öffentlichen Universitäten bieten die Fachhochschulen ein breites Spektrum an Studiengängen in verschiedenen Fachbereichen (Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Sozial- und Gesundheitswissenschaften, Naturwissenschaften, Kunst und Design, Militär- und Polizeiwissenschaften). Zulassungsverfahren, ein angemessenes Betreuungsverhältnis und straff organisierte Lehrveranstaltungen führen zu besten Ergebnissen in Bezug auf die Abschlussquoten und die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen.

Eine Besonderheit sind die berufsbegleitenden Studiengänge, die Menschen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund den Einstieg in eine akademische Laufbahn ermöglichen. Etwa 40 % der Studierenden studieren berufsbegleitend, ihre Studiengänge sind speziell auf die Bedürfnisse von Berufstätigen abgestimmt (sowohl was den Stundenplan als auch das didaktische Konzept betrifft).

Teil der politischen Agenda zur Einführung der Fachhochschulen war die regionale Ansiedlung von Hochschuleinrichtungen, insbesondere in ländlichen Gebieten, um die Verbindungen zur regionalen Wirtschaft zu fördern. Die Fachhochschulen arbeiten eng mit den Unternehmen vor Ort zusammen, bei denen es sich zumeist um KMU handelt. Sie entwickeln und führen gemeinsame F&E-Projekte durch und fördern so die Innovation in den lokalen Unternehmen und den wissenschaftlichen Fortschritt. Regionale Unternehmen bieten Praktika an, und Fachleute sind Teil des Lehrkörpers.

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